Tjaaaaa.....
Also
eigentlich (so wird gemunkelt) soll dieser Abschluß das Diplom ersetzen. Er wurde eingeführt, damit der Abschluß international vergleichbar wird. Das ist (bisher) allerdings nur das Wunschdenken der Initiatoren. Praktisch ist natürlich, daß jetzt ein weiterer Abschluß vor dem Diplom eingeführt wurde, der Bachelor. Leider sind die Leistungen, die dafür erbracht werden müssen, etwas mit dem bisherigen Vordiplom, das keinen Abschluß darstellt(e), identisch (an einigen Unis werden sogar weniger Wochesemesterstunden für den Bachelor benötigt, als ehemals für das Vordiplom....komisch, komisch). Aber als Ausgleich hat der Bachelor ja noch eine Abschlußarbeit. Man hätte allerdings auch einen Vordiplomsabschluß mit Abschlußarbeit einführen können. Aber das war wohl nicht chic genug. Der Master ist dann wieder nicht ganz ein Diplom (weniger Stunden, weniger breit gefächert).
Effektiv hat sich das Studium verkürzt. Das ist billiger für die Unis und könnte jüngere Abgänger schaffen, die früher in den Beruf einsteigen. Das ist positiv. Andererseits wissen sie auch weniger und was der Vorteil eines 12 Monate jüngeren Berufsanfängers sein soll, weiß ich nicht.
International vergleichbar war auch das Diplom. Vergleichbar muß ja nicht gleichwertig heißen. Jeder wußte, daß ein deutsches Diplom im Verhältnis zu einem amerikanischen Bachelor so und so zu werten ist. Erst immer etwas Verwunderung, weil man ja etwas älter ist. Im Zweifelsfall hat man dann eben nachgewiesen, was man im Studium so getrieben hat. Dann Verwunderung, wie solide die Ausbildung ist. Dieses Argument ist also ziemlich lächerlich.
Schlimmer sogar: Durch die Umstellung sind die Arbeitnehmer verunsichert. Sie wissen ja, was ein Diplomer kann, wissen auch, daß Master nicht so gut sind (immer im Durchschnitt zu sehen natürlich). Sie bleiben daher lieber bei Altbewährtem. Der Master gilt (noch) als ein Diplom-light.
Kurzum: Hier wurde wieder mal auf das Äußere geachtet, ohne den Sinn zu verstehen. Man wollte unbedingt auch einen B/M haben, weil den so viele haben und ganz besonders unsere "guten Freunde" aus den
USA, wo die Forschung blüht und gedeiht. Das hat allerdings völlig andere Gründe, die weder nachhaltig, noch sozial verträglich sind, und sich eigentlich nicht wirklich auf Deutschland übertragen lassen. Die Annahme, daß Anpassung automatisch gut ist, kann ich auch nicht nachvollziehen.
Es ist richtig, daß Reformen nötig sind, aber solche unausgegorenen Ideen hätte es nicht gebraucht. Jetzt wird es erstmal 10-15 Jahre dauern, bis dieses System vernünftig läuft, wobei es - wie ich prophezeihe - am Ende dem Diplom wieder sehr ähnlich sein wird. Oder diese "Modeerscheinung" wird in ein paar Jahre wieder verschwunden sein. Das würde aber heißen, daß ein paar Verantwortliche Fehler eingestehen müßten, was heutzutage mehr als unwahrscheinlich ist. Außerdem ist der B/M hilfreich gewesen, um die lästige ZVS loszuwerden, deren Studis man ja nehmen mußte. Nun darf man selber aussieben. Diese Gelegenheit zur Willkür...ähhh....zur verantwortungsvollen Auswahl wird keine Uni mehr aus der Hand geben. Ebenso wie Studiengebühren und andere Zulassungsbeschränkungen. Was eine staatliche Institution erstmal hat, gibt sie nicht wieder her (private Unis sind da anders, die nehmen einen gleich aus wie eine Weihnachtsgans und behaupten auch noch, das wäre es wert. Oh, sie haben sich aber kritisch gegenüber unseres Hauptsponsors geäußert, sie sind raus....).
Naja, wir sind gespannt, was daraus noch wird...
Olli